Treffen der baltischen Nationen

Nach ihrer Umsiedlung im Jahre 1939 verspürten viele der Deutschbalten den Wunsch, sich mit ihren in der ganzen Welt verstreut lebenden Landsleuten regelmäßig zu treffen.

Nach ersten Treffen in Augsburg begann man Anfang der 60er Jahre einmal jährlich ein großes Fest, einen „Kommers“, zu feiern, um die alten baltischen Traditionen pflegen und weitergeben zu können. Als Veranstaltungsort diente das Heidelberger Schloß.

Im Laufe der Jahre stießen mehr und mehr der ins Exil gegangenen Esten und Letten hinzu; der Kommers wurde zum sogenannten „Völkerkommers“. Den in Estland und Lettland Verbliebenen blieb aufgrund der politischen Lage eine Teilnahme jedoch verwehrt.

Nachdem im Jahre 1991 die baltischen Länder wie auch Polen ihre Freiheit wiedererrungen hatten und sich dort ein reges studentisches Leben mit männlichen und weiblichen Korporationen entwickelte, lebte auch der Gedanke an die alte studentische Kultur und deren Traditionen wieder auf. Es entstand der Wunsch, bei den Völkerkommersen dabei zu sein und diese auch als Gastgeber auszurichten, so 1994 das erste Mal in Tartu (Dorpat) / Estland, einer der ältesten Universitäten Europas überhaupt (gegründet 1632).

Heute wird nicht nur ein Kommers gefeiert, sondern auch ein Gottesdienst, ein Stadtumzug zum Festakt, oft mit Reden einer prominenten Persönlichkeit, und ein „Europa Ball“. Daher nennen wir dieses Fest heute auch „Treffen der baltischen Nationen“. Seither wird die Veranstaltung in Tartu/Dorpat (Estland), Tallinn/Reval (Estland), Riga (Lettland), Gdansk/Danzig (Polen), Warschau (Polen), Heidelberg, Hamburg, Göttingen und München gefeiert. Im Jahre 2020 treffen wir uns nun wieder in Heidelberg.

Unser Treffen dient nun nicht mehr nur dem Zweck, alte Traditionen zu pflegen, sondern es bietet den Teilnehmern ein Forum, andere Länder zu entdecken, Freundschaften zu knüpfen sowie sich akademisch auszutauschen und beruflich weiterzuentwickeln – das alles unter vier europäischen Nationen lebendig und freundschaftlich verbunden seit Jahrhunderten über alle politischen Entwicklungen hinaus. Darin sind wir wohl einzigartig!